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[Bahnhaltepunkt Hohenecken]
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Autor: Klaus Merkert
Letzte Änderung dieser Seite: 02.07.2016 09:52:06  1743

Wortlaut von Interview und Kommentar aus dem Westpfalz-Journal:

Fragen an Klaus Merkert aus Hohenecken, der sich bereits seit über 25 Jahren für einen Bahnhaltepunkt in Hohenecken einsetzt.

WJ:

Ein paar Daten zu Ihrer Person

Merkert:

Mein Name ist Klaus Merkert, ich bin 59 Jahre alt, ich war bis Februar Gymnasiallehrer am Hohenstaufengymnasium in Kaiserslautern mit den Fächern Mathematik, Physik und Informatik. Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Söhne.

WJ:

Sie setzen sich für die Einrichtung eines Haltepunktes der DB in Hohenecken ein. Was sind die Gründe hierfür? Rührt der Antrieb für Ihren Einsatz aus persönlicher Betroffenheit?

Merkert:

Meine Eltern haben in Hohenecken gebaut, ich bin dort aufgewachsen. In Hohenecken gab es einen Bahnhof, das Gebäude steht bis heute. Ich meine, dass der Bahnhof ca. 1976 geschlossen wurde. Dies war die Zeit, wo der öffentliche Nahverkehr wenig attraktiv war, wer etwas auf sich hielt, der fuhr Auto. Seit 1984 wohne ich wieder in Hohenecken, nachdem ich einige Jahre in Kaiserslautern gewohnt habe, und eigentlich bemühe ich mich seit diesem Zeitpunkt um die Wiedereinrichtung eines Bahnhaltepunktes in Hohenecken. Ich bin ein leidenschaftlicher Eisenbahnfan und würde, wenn es ginge, mit dem Zug fahren, wäre insbesondere auch mit dem Zug zur Schule gefahren. Wir haben Schüler aus dem Bereich Waldfischbach und Schopp, die mit dem Zug zur Schule kommen. Der Bus ist keine Alternative, er braucht z.B. zum Hauptbahnhof 27 Minuten, während der Zug lediglich 7 Minuten brauchen würde. Bis zur Schule, das wäre der Haltepunkt Galgenschanze, bräuchte er gar nur 5 Minuten.

WJ:

Sind Sie einer Partei zugehörig, waren Sie in der Vergangenheit politisch schon aktiv?

Merkert:

Ich bin keiner Partei zugehörig und war dies auch in der Vergangenheit nicht. Seit etwa 25 Jahren verfolge ich das Bemühen um den Bahnhaltepunkt in Hohenecken. Ich bin lange davon ausgegangen, dass unsere gewählten Vertreter die Wiedereinrichtung eines Bahnhaltepunktes auf den Weg bringen, zumal sie sich in ihrer großer Mehrheit immer wieder dafür ausgesprochen haben. Für viele Hohenecker, auch für mich, war es ein regelrechter Schock, als die Verwaltung im November 2011 aus Kostengründen das Projekt auf Eis gelegt hat. Budget-Entscheidungen sind politische Entscheidungen. Politiker setzen Schwerpunkte, die nicht immer die Schwerpunkte der Bürger sind. Ich sah nur noch die Möglichkeit, durch eine Bürgerinitiative den Bahnhaltepunkt zu verwirklichen. Dabei habe ich gemerkt, welch ungeheure Arbeit mit der Aktion verbunden ist. Wir haben zum Beispiel circa 2.700 Flugblätter in Hohenecken verteilt, und dies war doch schon ziemlich aufwendig. Hinzu kam, dass viele Zusammenhänge für uns neu und nicht unmittelbar einsichtig waren.

WJ:

Wie fühlen Sie sich bei der Aktion? Sind Sie zuversichtlich, oder gibt es manchmal auch Zweifel?

Merkert:

Als wir nach der Flugblattaktion positive Rückmeldungen bekommen haben, hat uns das auch Mut gemacht. Aber es gab auch viele Momente, wo ich - und auch meine Familie - zweifelte, ob sich dieser ganze Aufwand auch wirklich lohnt.

WJ:

Kurz zusammengefasst: Warum sollte ein Haltepunkt eingerichtet werden?

Merkert:

34 Züge fahren täglich auf der Strecke Kaiserslautern – Pirmasens. Diese Strecke ist an den Rheinland-Pfalz-Takt angeschlossen und es gibt ein Gutachten, wonach in Hohenecken 510 Personen ein- und aussteigen würden. Damit wäre Hohenecken der meist frequentierte Bahnhof auf der ganzen Strecke bis nach Pirmasens. Für Reisende in Richtung Mannheim oder Mainz würde die Möglichkeit, in Hohenecken in den Zug steigen zu können, eine Zeitersparnis von ungefähr einer halben Stunde bedeuten. Dies geht nämlich derzeit nur, wenn man in Hohenecken den Bus zum Hauptbahnhof nimmt und dann mit der Bahn weiterfährt. Ein Haltepunkt hätte auch soziale Aspekte: Es wäre zum Beispiel für diejenigen, die kein Fahrzeug haben, einfacher, auf die Arbeit zu kommen. Pendler in den Rhein-Neckar-Raum sind zur Zeit täglich eine Stunde länger unterwegs. Schließlich sollte man den demografischen Wandel im Auge behalten: Gerade für ältere Menschen, die kein Fahrzeug haben oder auch nicht mehr fahren möchten, ist ein solcher Haltepunkt von großer Bedeutung. Auf der anderen Seite würde Hohenecken für Neubürger attraktiver werden, da ein Haltepunkt gerade für ökologisch ausgerichtete Menschen, und das sind immer mehr, ein Entscheidungskriterium wäre, nach Hohenecken zu ziehen. Es gibt Untersuchungen in anderen Städten, wonach Ansiedlung entlang einer S-Bahn Linie stattfindet. In Hohenecken ist eine Bahn vorhanden, die Leute dürfen lediglich nicht einsteigen.

WJ:

Seit wann geht Ihre Aktion? Gab es in der Vergangenheit schon einmal einen Haltepunkt oder Bemühungen hierzu?

Merkert:

Ich bemühe mich schon über zwei Jahrzehnten um die Einrichtung des Haltepunktes. Anfänglich sah es so aus, als würde die Stadt das Projekt umsetzen. Der zuständige Zweckverband hat die Reaktivierung von Hohenecken in seinem Plan, sogar der Fahrplan ist schon danach ausgerichtet, Züge müssen jetzt zum Beispiel in Schopp länger halten, weil sie in Hohenecken eben leider nicht halten. Die Förderung des Schienennahverkehrs ist übrigens im Plan2015 im Koalitionsvertrag vereinbart. Der Plan2015 sieht explizit die Reaktivierung des Bahnhaltepunkts in Hohenecken vor.

WJ:

Ist Ihre Aktion eine Bürgerinitiative? Haben Sie genug Mitstreiter?

Merkert:

Im November 2011 habe ich erfahren, dass von der Stadtverwaltung Kaiserslautern die Reaktivierung des Haltepunktes in Hohenecken vom Plan genommen wurde. Dies hat mich veranlasst, nach Unterstützern zu suchen, die ich auch gefunden habe. Zwischenzeitlich haben wir eine Bürgerinitiative zur Reaktivierung des Haltepunktes. Der harte Kern sind rund 10 Personen, Mitglieder der Bürgerinitiative ungefähr 60 bis 70, darüber hinaus haben wir viele Sympathisanten, die unser Anliegen unterstützen.

WJ:

Wie ist Ihre Erfahrung im Umgang mit den zuständigen Stellen?

Merkert:

Ich habe bei einer Sitzung des Ortsbeirates eine Bürgeranfrage an den Ortsvorsteher und die Fraktionen zum Stand der Reaktivierung des Haltepunktes gestellt und habe dann erfahren, dass der gesamte Ortsbeirat unser Anliegen unterstützt. Die Rheinpfalz war anfänglich mit der Berichterstattung zurückhaltend, später hat sie jedoch in einem Artikel wohlwollend über unsere Aktion und die Bürgerinitiative berichtet. In den vielen Sitzungen des Stadtrats Kaiserslautern, denen ich beigewohnt habe, sind mir zwei Dinge bewusst geworden. Einerseits ist Politik schwieriger, als ich gedacht habe. Andererseits wird auch in der hoch verschuldeten Stadt Kaiserslautern weiterhin so viel Geld für verschiedenste Haushaltsposten ausgeben, dass die fehlenden 185.000 Euro für den Haltepunkt nicht ungerechtfertigt erscheinen. Hier werden, wie schon gesagt, politische Schwerpunkte gesetzt. In einer Sitzung im September 2012 hat der Stadtrat einstimmig den Haltepunkt befürwortet, dennoch gab es später bei der SPD Bedenken; es wurde eine Alternative - die Übernahme durch den Busverkehr - ins Gespräch gebracht; die SPD hat bis zum heutigen Tage noch keine eindeutige und klare Position bezogen.

WJ:

Zukunftsperspektive? Glauben Sie, Sie werden erfolgreich sein?

Merkert:

Ich glaube, dass wir erfolgreich sein werden. Wir haben so viel investiert, wenn es jetzt nicht gelingt, einen Haltepunkt einzurichten, wären wir schon ziemlich enttäuscht.

WJ:

Angenommen, sie hätten einen Wunsch frei, was würden sie sich wünschen?

Merkert:

Ich wünsche mir, dass der öffentliche Nahverkehr mehr in den Blick genommen und die Verkehrswende tatsächlich stattfinden wird.

Gut für die Demokratie, gut für Hohenecken

Seit mehr als zwei Jahrzehnten kümmert sich ein Einwohner aus Hohenecken darum, dass der Stadtteil von Kaiserslautern einen Bahnanschluss bekommt. Insbesondere in den beiden vergangenen Jahren war dies mit viel Arbeit verbunden. Das beharrliche Agieren von Klaus Merkert hat dazu geführt, dass sich die politischen Gremien im Ortsbeirat und im Stadtrat mit dem Problem eines Haltepunktes befassen. Eigentlich kann gegen den Haltepunkt niemand dagegen sein, denn die Zukunft des Verkehrs wird sicherlich auch im öffentlichen Nahverkehr liegen.

Klaus Merkert ist von Hause aus Mathematiker und Physiker. Überprüfbare „Sachargumente“ sind das Metier, mit dem er sich auskennt. Er musste wohl lernen, dass es zwischen Sachargumenten und politischem Handeln durchaus Unterschiede gibt. Aber davon hat er sich nicht abschrecken lassen, er kämpft weiter für eine gute Sache.

In Zeiten von Desinteresse an der Politik ist dies ein gutes Beispiel für demokratisches Handeln. Der Einsatz von Klaus Merkert und seinen Mitstreitern ist gut für die Demokratie und gut für Hohenecken.